© Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt

Das Grundgesetz feiert in diesem Jahr seinen 77. Geburtstag. Diesen hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zum Anlass genommen, um für den 23. Mai 2026 einen bundesweiten Aktionstag ins Leben zu rufen - den "Ehrentag". Durch unterschiedlichste Aktionen wird rund um diesen Tag der Stellenwert gesellschaftlichen Engagements für das demokratische Zusammenleben hervorgehoben. Es soll sichtbar werden, wie wichtig es ist, dass Menschen sich mit- und füreinander engagieren - und das innerhalb der vorhandenen Vielfalt an Persönlichkeiten, Orten, Projekten und inhaltlichen Themenschwerpunkten.
Als Landeskoordinierungsstelle für das Ehrenamt in der Straffälligenhilfe in NRW möchten wir uns der Intention des Ehrentages anschließen und uns hiermit ganz besonders bei all denen bedanken, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Justizvollzug engagieren: Durch die intensive Begleitung einzelner inhaftierter Menschen, das Durchführen von Gruppenangeboten aller Art und Kreativität, die Unterstützung von Angehörigen sowie das Ermöglichen und Aufrechterhalten von Briefkontakten zeigt Ihr ganz praktisch auf, wie es gelingen kann, inhaftierte Menschen trotz der räumlichen Trennung als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen und ihnen die Hand auszustrecken - für ernstgemeinte Beziehungsangebote und aus ehrlichem Interesse an den jeweiligen Menschen und dem, was sie ausmacht und bewegt. Danke, für Euren außergewöhnlichen und tollen Einsatz!
Der Ehrentag bietet zudem auch eine gute Gelegenheit, um grundsätzlich auf das Ehrenamt im Justizvollzug aufmerksam zu machen: Denn dieses stellt bundesweit einen vergleichsweise kleinen und unbekannten Bereich auf der Landkarte der Engagement-Möglichkeiten dar. Laut dem 6. Deutschen Freiwilligensurvey sind aktuell knapp 27 Millionen Menschen ab einem Alter von 14 Jahren in Deutschland ehrenamtlich engagiert. Lediglich 0,6 Prozent von ihnen sind dabei im Bereich der Justiz tätig.
Aktuell bringen sich konkret in den 36 Justizvollzugseinrichtungen in NRW ca. 1.500 Menschen ehrenamtlich ein. Doch auch wenn die Zahl im Vergleich zu anderen Bereichen des ehrenamtlichen Engagements klein erscheinen mag: Der Wert, den die dort investierte Zeit für die Menschen in Haft mit sich bringt, ist keinesfalls gering zu schätzen: Hier werden Personen unabhängig von und trotz ihrer Taten wertgeschätzt und gesehen. Hier werden Lichtblicke geschenkt und Neuanfänge gefördert. Hier wird die Überzeugung gelebt, dass straffällig gewordene Menschen einerseits Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen, aber andererseits auch die Gesellschaft gleichermaßen in der Verantwortung steht, ihren Anteil an einem anschließend wieder gelingenden Zusammenleben zu leisten. Hier werden Brücken gebaut und damit ein praktischer Beitrag zur Demokratie geleistet.
Daher anlässlich des Ehrentags noch einmal "DANKE" an alle, die sich dieser anspruchsvollen und wichtigen Aufgabe im Ehrenamt widmen.
PS: Falls Du dich noch nicht ehrenamtlich im Justizvollzug engagierst aber gerne mehr darüber erfahren würdest, zögere nicht mit uns in Kontakt zu treten! Wir sind gerne jederzeit beratend und vermittelnd für Dich da!